Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft

LNdW 2025

Zur diesjährigen Langen Nacht der Wissenschaften (LNDW) am 28.06. haben wir uns entschieden, das Flair unseres LetoS (Leseabend der toten Sprachen) in die große Öffentlichkeit zu tragen. Unter dem Motto „Lange Nacht der toten Sprachen“ (LNtoS) haben wir diesmal also neben Mitmach-Stationen ein Programm an lustigen und nerdigen Vorträgen auf die Beine gestellt.

 

Zunächst verhexte Helene Feulner das Publikum mit ihrem Beitrag zu den Merseburger Zaubersprüchen. 

Das war dem Publikum jedoch offenbar noch nicht verhext genug, denn bei dem Voting welche Passage aus der altgriechischen Odyssee von Kieran Meinhardt vorgelesen werden sollte, entschied es sich für den Part, in dem Odysseus‘ Crew fast allesamt von der Hexe Kirke zu Schweinen verwandelt wurde.

Besonders tragisch ging es weiter als Lukas Kahl das westtocharische Liebesgedicht THT 496 vortrug: ciṣṣe laraumñe, ciṣṣe ārtañye pelke kalttar śolämpa ṣṣe; mā te stālle śol wärñai - „Die Liebe zu dir, das Gefallen an dir gehört zum Leben wie der Atem; das soll sich ein Leben lang nicht ändern.“

Einen Ausflug in ein genuines Thema der Historischen Linguistik bot uns Leon Heblik mit seinem Beitrag „Latein und seine historisch korrekte Aussprache“. Nun wissen wir alle woher die deutschen Wörter für Keller und Zelle ihren Ursprung haben, nämlich denselben und zwar im lateinischen Wort cella, und dass sie nebenbei sehr viel Aufschluss darüber geben, wie ein lateinisches c wohl im Klassischen Latein auszusprechen war.

yato hastastato dṛṣṭi ­- „Wo die Hand geht, da(hin) folgen die Augen“ – mit diesem Śloka aus dem Nāṭya Śāstra (einer enzyklopädischen Abhandlung über die darstellenden Künste) brachte uns Beatrice Yefimov ihr Wissen über die traditionelle indische (Tanz-)Kultur näher. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn ihr schon einmal auf einer Hochzeit wart, so kennt ihr bestimmt das Hohelied der Liebe aus dem Neuen Testament (KOR 13). Vielleicht aber auch nur wenn ihr aus Süddeutschland stammt und mit konservativen katholischen Traditionen aufgewachsen seid... Bei uns musste man jedenfalls nicht auf einer Hochzeit sein, um das Hohelied im geschliffensten Gotisch vorgetragen zu bekommen; dafür hat Angelo Papenhoff gesorgt.

Naja letztendlich gab es danach doch eine Hochzeit im Gothic Style, also war das Hohelied vielleicht doch ein Teaser, was auf das Publikum zukommen würde: Nämlich eine Dracula Geschichte – neu verzahnt. :‘) – mit frühneuhochdeutscher Musikeinlage und altostslawischem Dialog.
Das vorgeführte Theaterstück basiert auf einer realen Person namens Vlad der Pfähler. Sein „Wirken“ wurde in Handschriften nach seinem Tod um 1476/77 niedergeschrieben.

Wir befinden uns also vor dem Jahr 1476 in Russland…

Das Theaterstück zeigt das Zusammentreffen Draculas und seiner Handlanger mit einem Bauern, der vor seinem Haus in einem gecroppten Hemd arbeitet. 

Was heutzutage als Mode angesehen wird, war früher eine Schmach… natürlich Schmach für die Frau des Bauern. Wie konnte sie ihm nur ein zu kurzes Hemd nähen? 

Dracula geht dieser Schmach auf den Grund. Die Frau ist jung und gesund, der Bauer hat genug Leinen angepflanzt; ganz klar die Schuld liegt bei der Frau!

„Wenn dein Mann kein Leinen gesät hätte, dann wäre dein Mann schuldig.“

 

Als Strafe befahl Vlad seiner Handlangerin, der Frau die Hände abzuhacken, und seinem Handlanger, die Frau zu pfählen.

 

Da der Bauer nun ohne Frau dastand, gab Vlad ihm seine Handlangerin kurzerhand zur Frau und traute sie noch an gleicher Stelle.

    Slut. (schwedisch für Ende)

                 

Henrik Hornecker präsentierte uns ein altlitauisch-mittelpolnisches Drama über Met, Bier, blutende Hostien und den Holundergott Pušaitis, das den Konflikt zwischen Paganismus und Christianisierung und litauisch-polnische Sprachverwirrung im Vielvölkerstaat Polen-Litauen sehr unterhaltsam (zumindest für uns) thematisiert.

Den Abschluss machte unser wunderbarer Šanti-Chor mit zwei Hymnen aus dem Rigveda, den ältesten indischen Hymnen an Göttinnen und Götter, einmal, passend zur Langen Nacht der Wissenschaften, mit einem Lobpreis der Göttin Rātrī („Nacht“) und einmal mit dem Klagelied eines Mannes, der wohl den ersten dokumentierten Fall von Spielsucht darstellt. Nachdem er zunächst alles beim Gambling verliert erhält er aber, als er sich vom Würfelspiel lossagt, von den Göttern wieder alles zurück…und fängt dann wieder an zu gamblen – Spaß (darüber sagt das Lied nichts).