Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Deutsch in multilingualen Kontexten

Das Kiezdeutsch-Korpus. Analysen an der Peripherie

Das Projekt baut auf den Ergebnissen von B6 „Grammatische Reduktion und informationsstrukturelle Präferenzen in einer kontaktsprachlichen Varietät des Deutschen: Kiezdeutsch“ auf und konzentriert sich dabei auf Korpusaufbereitung und -analysen. Im Rahmen der ersten Periode von B6 ist ein umfangreiches Korpus zu Kiezdeutsch erstellt worden, das spontansprachliche Daten Jugendlicher aus Selbstaufnahmen umfasst, die in Form von Audiodateien mit Transkriptionen in EXMARaLDA vorliegen. Neben Jugendlichen aus einem multiethnischen Wohngebiet, Berlin-Kreuzberg (Hauptkorpus, ca. 228.000 Token), wurden Jugendliche aus einem weitgehend monoethnischen Wohngebiet mit vergleichbaren sozioökonomischen Indikatoren, Berlin-Hellersdorf, einbezogen (Ergänzungskorpus, ca. 105.000 Token). Dies erlaubte es uns, kiezdeutschspezifi­sche, d.h. für eine multiethnische Population charakteristische Phänomene gegenüber solchen aus einer stärker monoethnischen Population zu identifizieren. Das Korpus ist im sozio- und varietätenlinguistischen Forschungsumfeld mittlerweile als „Kiezdeutsch-Korpus“ eingeführt.

In der neuen Projektphase wird das Korpus in einer Form aufbereitet, die automatische Suchanfragen und umfassendere quantitative Analysen auch zu syntaktisch komplexen Konstruktionen ermöglicht. Die Korpusanalysen werden sich im Schwerpunkt auf die linke Satzperipherie konzentrieren, daneben sind Analysen zur rechten Satzperipherie vorgesehen. Die weitere Korpusaufbereitung wird eine Identifizierung und feinkörnige syntaktische und informationsstrukturelle Kategorisierung distinkter Muster ermöglichen, die neue Erkenntnisse zur Rolle der Informationsstruktur bei syntaktischer Variation und der Entstehung von Non-Standardvarietäten liefern wird. Als zweiter zentraler Arbeitsbereich des Projekts wird das Korpus in juristisch und datenschutzrechtlich abgesicherter Form geöffnet und nachhaltig für andere Forscher/innen zugänglich gemacht und liefert so eine neue Ressource für die Erforschung von Fragen zu Sprachkontakt, Sprachvariation, Sprachgebrauch und Sprachstruktur, die unseres Wissens einmalig im deutschsprachigen Raum ist

Projektleiterin: Heike Wiese

Mitarbeiterin: Ines Rehbein

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